Das Hilfsprojekt in Togo

SV-Hilfsprojekt für Togo „ Schüler helfen Schülern“ Im September 2008 hat die Schülervertretung des ERΛSMUS Gymnasiums beschlossen, ein Hilfsprojekt für Schülerinnen und Schüler in Westafrika durchzuführen. Die Idee entstand durch einen Kontakt mit der Aktionsgemeinschaft Viersen West-Afrika e.V. (kurz AWA genannt, www.awa-viersen.de) Das Konzept dieser Hilfsorganisation überzeugte die Schülervertretung: Die AWA unterstützt Menschen in Togo und Benin. Seit über 30 Jahren ist der Verein bemüht „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten. Voraussetzung dafür ist, dass vor allem den jungen Menschen Bildung und Ausbildung ermöglicht wird. In Togo und Benin zahlen Eltern für ihr Kind Schulgeld. Auch ist Schulkleidung an allen Schulen Pflicht. Die meisten Eltern können das Schulgeld nicht aufbringen und schon gar keine Schulkleidung bezahlen. Dringend benötigt werden zudem Schulbücher, Schulmaterial und Schultaschen. Die meisten Kinder, die das Glück haben, die Schule besuchen zu können, kommen mit einem Stift und etwas Papier in der Hand in die Schule. Im Gespräch mit der Vorsitzendes des Vereins, Frau Marina Hammes, wurde uns mitgeteilt, dass der Bedarf an Tornistern und Schultaschen (Grundschulen) sowie auch an Rucksäcken (Weiterführende Schulen) sehr groß ist. So kam die Schülervertretung auf die Idee, dass dieses Projekt von unserer Seite tatkräftig unterstützt werden könnte, indem wir eine große Schulranzen-Sammelaktion planten und die Spenden mit dem nächsten Hilfscontainer Mitte Dezember 2008 nach Togo und Benin senden konnten. Die Schulranzen konnten im November 2008 in einer groß angelegten Sammelaktion im Eingangsbereich der Schule abgegeben werden. Wir, die Schülervertretung, staunten nicht schlecht, als im Laufe des Tages durch Eltern, Schülerinnen und Schüler ein gewaltiger Berg an Tornistern, Rucksäcken und Schulmaterialien entstand. In mehreren Wagenladungen wurden die Hilfsgüter der AWA gebracht, deren Mitglieder ebenfalls erstaunt über die Spendenfreudigkeit der Schulgemeinschaft des ERΛSMUS Gymnasiums waren. Einerseits wurde die Aktion von der örtlichen Presse positiv begleitet - was aber die Schule und die SV besonders freute: nachdem der Container in Togo ange- kommen und die Ma-terialien verteilt waren, erhielten wir einen Dankesschreiben von der AWA mit einem beeindruckendem Foto, welches uns über den Verbleib unserer Samm-lung Auskunft gab. Durch diese Rückmeldung motiviert, dachte die SV über weitere Unterstützungsmöglich-keiten nach. Auf der jährlichen SV-Fahrt war dann eine neue Idee geboren. In Kenntnis davon, dass viele Schülerinnen und Schüler in Togo in großen Klasse sitzen (teilweise bis zu 70 Schülerinnen u. Schüler) und dadurch auch einige nicht immer ihren Jahrgangsstufen-abschluss erreichen, überlegte sich die Schülervertretung eine besondere Form der „Hilfe zur Selbsthilfe“: Wie wäre es, für eine bestimmte Schule einen Lehrer zu organisieren, um wenigstens an einem Ort ein wenig Abhilfe zu schaffen und einen Menschen zu unterstützen, der für die Bildung in diesem Land eintritt. Da das Jahresgehalt einer Lehrkraft ca. 700 Euro beträgt, sah die SV die Chance, diesen Betrag durch Aktionen an der Schule aufzutreiben. Die SV gründete eine Lehrerpatenschaft ! In den ersten zwei Jahren wurde das Geld durch unser alljährliches Weihnachtskonzert aufgebracht. Im dritten Jahr sorgte ein Flohmarktstand (von Eltern und Schülern) auf unserem Sommerfest für die nächste Finanzierung. Die Lehrerpatenschaft wurde mit jährlichen Weihnachtspaketen, die Schulmaterialien enthielten, und einem Briefkontakt zu „unserem“ Lehrer intensiviert. Im Jahr 2013 erhielten wir dann die Information, dass unser Patenlehrer aufgrund unseres Engagements eine feste Anstellung erhalten hatte. Darüber waren wir natürlich sehr erfreut, dachten aber schon über weitere Aktionen nach. Über die AWA wurde ein Kontakt zu einem Gymnasium in Lomé hergestellt. Das Lycée Nyékonakpoé liegt in unmittelbarer Nähe zum Hauptstandort der AWA in Lomé. Es ist eine städtische Schule, in der nach französischen Schulmodell im Gymnasium nur die Oberstufe (Stufen 11,12,13) beschult wird. Insgesamt hat das Gymnasium ca. 850 Schülerinnen und Schüler. Es gibt über alle Stufen verteilt insgesamt 4 Deutschklassen. Auch hier sieht es wie in vielen anderen Schulen ähnlich aus. Das bedeutet, es gibt nicht genügend Lehrer für die Kurse, es fehlt in allen Bereichen an Schulmaterial, insbesondere Fachbücher. Also ging das Togo-Projekt weiter. Ein sehr herzlicher Austausch via E-Mailkontakt zu Herrn Dossa Kodjo, dem dortigen Deutschlehrer, erleichterte die Kontaktaufnahme. Darüber konnte unmittelbar geklärt werden, welche Hilfsgüter das Gymnasium am nötigsten braucht. In den letzten beiden Jahren wurde die Schule durch das ERΛSMUS Gymnasium und die AWA mit zahlreichen Materialien unterstützt. Mikroskope, Nähmaschinen, Computer, CD-Player, Schulmaterialien, Geld für Bücher etc. trugen dazu bei, den Unterricht für Schüler- und Lehrerschaft deutlich zu verbessern. Seit 2013 pflegen wir den Kontakt zu diesem Gymnasium in Lomé und wollen, wenn möglich, auch in diesem Jahr wieder Material- und Geldspenden sammeln, um ein schönes Paket für Togo zu packen. Spendengelder werden zum Beispiel durch den Kaffee- und Kuchenverkauf am Elternsprechtag gesammelt. Neue Ideen, z.B. ein „Togo-Tag“, müssen noch ausgearbeitet werden. Das Projekt wird an ausgewählten Veranstaltungen durch die SV immer wieder präsentiert. Die Schulgemeinschaft hat viel Freude an dieser Form der Unterstützung, da doch oft mit geringen Mitteln (ausrangierte Schultaschen, Schulmaterialien etc; sowie einem verhältnismäßig kleinem Betrag) an einer anderen Stelle geholfen werden kann. Durch Kooperation mit der AWA erhalten wir immer wieder ein Feedback (Fotos, Briefe, sogar kleine Geschenke) und erfahren etwas über das schwierige Leben in Togo und die dortigen Ausbildungsverhältnisse. Zudem wissen wir, dass jeder gesammelte „Bleistift“ auch tatsächlich ankommt. Betreuungsreise nach Togo und Benin vom 03.02.2016 – 14.02.2016 Dass man auch die Möglichkeit bekommt, diese Projekte nicht nur aus der Ferne zu planen und zu organisieren, durfte ich im Februar dieses Jahres erfahren. Die Aktionsgemeinschaft Viersen West Afrika e.V. (AWA) lud mich ein, einen Teil ihrer Arbeitsreise in Togo und Benin zu begleiten, um mir vor Ort einen Eindruck zu verschaffen und Schüler, Auszubildende und Lehrer kennenzulernen. Für mich und auch die meisten Mitglieder einer Reisegruppe (10 Personen) war es der erste Aufenthalt in dieser Region Afrikas. Während zu Hause Karneval gefeiert wurde, warteten auf mich 10 Tage Westafrika. Schon der erste Tag war, besonders für mich, aufregend, da wir das Gymnasium Nyékonakopé besuchten, zu dem wir als Schulgemeinschaft seit 2013 Kontakt pflegen. Ein herzlicher Empfang durch die Schulleitung und den Deutschlehrer ließ keinerlei Berührungsängste zu. Auch beim Blick in die Klassen, durchschnittlich 60-70 Schülerinnen und Schüler, erlebten wir eine unglaubliche Offenheit und Sympathie. Getragen von diesem schönen Gefühl, einen direkten Kontakt zu den Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern erhalten zu haben, bedanke ich mich noch einmal ganz herzlich bei meinem Schulleiter für die Freistellung, aber insbesondere bei der AWA, dass ich diese einmalige Gelegenheit wahrnehmen durfte. Vor der Abreise nach Benin durfte die Reisegruppe einen ersten Blick in das Domizil der AWA in Lomé tätigen. Wir waren erstaunt darüber, dass man zwischen so vielen gestapelten Hilfsgütern noch einen Platz zum Schlafen findet. Später erfuhren wir dann auch, was es heißt, bei 38 Grad Lebensmitteltaschen (geschätztes Gewicht 10 kg) möglichst zügig zu packen. Obwohl man nachsichtig mit uns war, wurde unser Wasserhaushalt extrem durcheinander gebracht. Spätestens jetzt hatte jeder Mitreisende eine Vorstellung vom AWA-Arbeitsleben in Togo. Schon am zweiten Tag stand unsere erste „Fernreise“ an. Früh morgens machten wir uns mit unserem voll beladenen Hilfsgüterbus auf den Weg nach Benin. Wegen der bevorstehenden Wahlen in Benin waren die Kontrollen an der Grenze streng und auch während unserer Fahrt nach Abomey, einer Stadt in der Region Djidja im Süden Benins, wurden wir häufig angehalten und kontrolliert. Durch kleine „Gastgeschenke“ (Kekse und Kugelschreiber) konnten die Kontrollen teilweise beschleunigt werden. In Djidja besuchten wir verschiedene Projekte der AWA: Im Dorf Sawlakpa nahmen wir zu Beginn unserer Beninreise an einer Brunneneinweihung teil. Aus allen Ecken strömten die Dorfbewohner zum neuen Brunnenprojekt, um dem Ereignis beizuwohnen und auch die seltsamen, weißen Besucher zu sehen. Wir wurden unglaublich offen und herzlich von der Dorfgemeinschaft empfangen. Nicht vorstellbar für uns, dass man durch dieses „kleine“ Bauprojekt so vielen Menschen das alltägliche Leben erleichtern kann, zumal nun der tägliche 10-km Fußmarsch zur nächste Wasserstelle entfällt . Das Fernsehen Benin dokumentierte die detailliert Geldübergabe der Vorsitzenden Marina Hammes für den Brunnenbau, so dass nachweisbar, kein Schein in Afrika „verloren geht“. Der gleiche Eindruck bestätigte sich dann auch beim Besuch der Krankenstation in Monserou. Für die dortigen Verhältnisse sicherlich eine dringend notwendige Bereicherung. Alles war gepflegt und im besten Zustand - trotzdem möchte ich einen Ernstfall vermeiden. Im Kindergarten Mirja Boes empfingen uns dann die ganz Kleinen. Spätestens hier konnte man die gesamte Reisegruppe buchstäblich dahinschmelzen sehen. Interessanterweise sagt man sich auch hier, dass nur eine frühe Förderung zum Erfolg führt. Doch hier heißt zunächst einmal der erste Erfolg: Überleben. Der nächste Tag führte uns nach Contonou. Mit dem Boot ging es nach Ghanvie, vermutlich das größte afrikanische Pfahlbautendorf auf einem See auch „Venedig Afrikas“ genannt. Entlang der Lagune von Benin verstummten dann die munteren Gespräche bei dem Anblick des Müllufers und der dort lebenden Menschen. Hier ist jede Beschreibung überflüssig, denn nur die Bilder können die Situation ansatzweise darstellen. Die Rückreise nach Lomé ging über das beeindruckende Weltkulturerbe Abomey, die Straße der Sklaven in Oudiah und den Port-of-no-Return am Atlantischen Ozean. Nur für eine Übernachtung in unserem Gästehaus in Lomé, starteten wir am nächsten Tag zu weiteren Hilfsprojekten Richtung Landesinneres. Die Ausbildungsstätten in der Schreinerei und der Nähschule verdeutlichten die professionelle langjährige Betreuung und Unterstützung durch die AWA. Eine weitere Krankenstation in Abodrafo und der Besuch des Grabes von Papa Mensah (Mitbegründer der AWA) führten uns weiter zur Partnerschule des Erasmus von Rotterdam Gymnasiums Viersens in Pele-Nord. Mit der Begrüßung einer modernen afrikanischen Version von „Oh du fröhliche“, gespielt von der Schulband, wurden wir auf dem Schulhof empfangen. Nach vielen Begrüßungsreden und weiteren musikalischen Darbietungen hatten wir die Gelegenheit, die Schule zu besichtigen. Besonderer Stolz galt dem Computerraum und dem neu angelegtem Sportplatz. Ein Volley-ballmatch, Ziegenspieße und Tanz- einlagen rundeten den gelungen Besuch ab. Sehr herzlich war die Begrüßung im Dorf Klotho. Gesang, Tanz und Gastgeschenke für jeden Besucher wurden zu einem unbeschreiblichen Erlebnis. Noch heute habe ich das Empfangslied in den Ohren „Willkommen AWA, Danke AWA“ in spektakulären afrikanischen Rhythmen. Langsam neigte sich unsere Reise dem Ende entgegen. Am letzten Tag durften wir noch der Einweihung neuer Gebäude für die Krankenstation in Yokéle beiwohnen. Sicherlich amüsant war für die Einwohner, dass, nachdem ungefähr 300 Schüler und Dorfbewohner für uns die togoische Nationalhymne gesungen hatten, nun die deutschen Besucher (insgesamt 14) aufgefordert wurden, ihre Nationalhymne zu präsentieren. Der beste stimmliche Sänger war ein Afrikaner mit Megafon. Ein besonderes Erlebnis war das Zusammentreffen mit unseren Patenkindern. Jedes Reisemitglied hatte die Gelegenheit, das eigene Patenkind kennenzulernen und persönlich die Weihnachtsgeschenke zu übergeben. Ein bewegender Nachmittag. Leider ist mein Patenkind sehr krank (Sichelzellenanämie), doch ich hoffe, dass durch die Unterstützung der AWA ein wenig das Leid gelindert werden kann und Amé demnächst die Möglichkeit hat, eine normale Schulausbildung zu beginnen und volljährig zu werden. An diesem Nachmittag wartete dann noch eine Überraschung auf mich. Die Schulleiterin des Gymnasiums Nyékonakopé und der Deutschlehrer Gustav Dosso Kodjo wollten sich noch von mir verabschieden. Im traditionellen Fortbewegungsmittel reisten Schulleiterin und Deutschlehrer an. Im Gepäck zahlreiche Geschenke von Schülern und Lehrern und obwohl es dort keinen Kunstunterricht gibt, hatte ein Schüler ein unglaubliches Porträt aus dem Gedächtnis von mir angefertigt. Eigentlich ist es nicht möglich, diese Reise in einem kurzen Bericht zusammenzufassen. Das Geschrieben ist eine kommentierte Auflistung einiger Reisedaten mehr kann es nicht sein. Zum Abschluss kann ich für mich nur sagen, unglaublich dankbar zu sein, dass ich mitfahren durfte und ich würde mich sehr darüber freuen, diese Gelegenheit irgendwann erneut wahrnehmen zu dürfen. Auf jeden Fall hoffe ich, dass wir den Kontakt auch als Schulgemeinschaft unter unserem Motto: „Schüler helfen Schülern“ aufrecht erhalten können. Kerstin Wichelhaus