ERΛSMUS - Von der Gründung bis heute

Das Jahr 1996 war für unsere Schule ein Jubiläumsjahr: Am 13. März 1896 wurde die 1861 gegründete "Höhere Bürgerschule" als ein "Progymnasium mit nicht allgemein verbindlichem Griechisch und dessen Ersatz durch Englisch" anerkannt. Für die Bildungschancen der Söhne Grevenbroicher Familien - nur Jungen besuchten damals die Schule - war das ein entscheidender Fortschritt: Von nun an konnten sie in ihrer Heimatstadt die sogenannte "Einjährigen"-Prüfung" ablegen, die sie dazu berechtigte, anschliessend die Obersekunda (Klasse 11) eines Gymnasiums (z.B. in Neuss, Düsseldorf oder Köln) zu besuchen, um dort das Abitur abzulegen. Die alte Bürgerschule war ursprünglich nur dreiklassig gewesen; bereits nach Quarta musste also, wenn ein Junge das Abitur machen sollte, der Wechsel zu einem Gymnasium in einer der größeren Nachbarstädte erfolgen. Wegen der unzulänglichen Verkehrsverhältnisse - nicht einmal Eisenbahnverbindungen gab es 1861 - setzte das die Unterbringung in einer Familie oder einem Internat (z.B. in Münstereifel) voraus. Nicht nur mit Kosten war das verbunden, es stieß auch auf psychologische Hemmschwellen bei Eltern und Kindern. Jetzt, wo die Schule auf sechs Schuljahre ausgebaut war, befanden sich die abgehenden Schüler, die das Abitur anstrebten, in einem reiferen Alter, in dem sie die Trennung vom Elternhaus besser verarbeiten konnten. Es war das Verdienst von Rektor Franz Ernst, den Ausbau der Höheren Bürgerschule in Grevenbroich, deren Leitung er 1891 übernommen hatte, systematisch vorangetrieben zu haben. Als er 1891 nach Grevenbroich kam, waren die Zustände an der Bürgerschule desolat: Ostern 1891 hatte sie insgesamt nur noch 32 Schüler! Es war offenkundig, dass sie auf Dauer nicht existieren konnte, wenn es nicht gelang, durch ihren Ausbau zu einem sechsklassigen Progymnasium ihre Attraktivität zu erhöhen. Zunächst musste die Grevenbroicher öffentlichkeit dafür gewonnen werden, der Schule, die bis dahin mehr schlecht als recht im Alten Schloss notdürftig untergebracht war, ein modernes Schulhaus zu errichten. Es gelang Rektor Ernst, für dieses Ziel breite Unterstützung zu gewinnen, so dass 1893 mit dem Neubau eines Schulgebäudes auf der Schanze / Ecke Röntgenstraße begonnen werden konnte dort, wo sich heute die alte Turnhalle befindet. Am 11. Mai 1894 konnte das neue Gebäude mit sechs Klassenräumen und einer Aula eingeweiht werden. Zusätzlich entstanden eine Turnhalle sowie eine Dienstvilla für den Schulleiter in unmittelbarer Nachbarschaft. Heute existiert keines dieser Gebäude mehr, die alle auf dem jetzigen Schulterrain standen. Es zeugte von Weitsicht, dass man sich in Grevenbroich gegen die Pläne des Königlichen Provinzial- Schulkollegiums in Koblenz zur Wehr setzte, die Bürgerschule in eine Realschule mit fakultativem Lateinunterricht umzuwandeln, weil dadurch aufgrund der damaligen gymnasialen Stundentafel und universitären Zugangsbestimmungen den hiesigen Schülern der spätere Übergang in eine Obersekunda eines Gymnasiums und damit auch der Weg zu einem Universitätsstudium versperrt gewesen wäre. Man bestand deshalb darauf, gymnasiale und realgymnasiale Parallelklassen einrichten zu können, d. h. Latein als verpflichtende Eingangssprache beizubehalten und ab Untertertia zwischen Griechisch und Englisch als dritter Fremdsprache wählen zu lassen (2. Fremdsprache war Französisch). Man hatte schließlich Erfolg. Ostern 1895 konnte die erste Untersekunda eingerichtet werden, ein Jahr später folgte die Anerkennung als Progymnasium mit Realgymnasialklassen. Und durch Erlass des Reichkanzlers Hohenlohe-Schillingsfürst vom 21. März 1896 wurde der Schule zugleich die "Militärberechtigung" verliehen, d. h., sie durfte am Ende der Untersekunda staatlich anerkannte Entlass- ("Abitur"-) prüfungen abnehmen, mit deren Bestehen die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst verbunden war. Ganze drei Schüler waren es, die als erste Ostern 1896 diese Prüfung bestanden: Joseph Busch aus Bedburdyck, Wilhelm Helpenstein aus Elsen und Karl Rath aus Grevenbroich. Ostern 1897 waren es dann bereits sieben: August Bender aus Damm, Franz Hausmann aus Büttgen, Gustav Hirtz aus Grevenbroich, Jakob Kamper aus Grevenbroich, August Münker aus Allrath, Laurenz Rath aus Grevenbroich und Adam Zaun aus Noithausen. Die Zahl der Schüler stieg bis zum Beginn des Schuljahres 1897/98 bereits auf 159, eine Zahl, die - mit den üblichen Schwankungen - in etwa bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges gehalten wurde. So wie heute die Abiturienten, so feierten damals die "Einjährigen"-Abiturienten ausgiebig ihre bestandene Prüfung und den Abschied von der Schule. Dazu gehörte immer auch schon eine "Bier- Zeitung", wie man es damals nannte, die auf dem "Abschied-Kommers", den man zusammen mit den Lehrern feierte, verteilt wurde und aus der dabei zur allgemeinen Erheiterung die selbstgedichteten Spottverse verlesen bzw. die selbtformulierten Liedtexte zu bekannten Melodien gemeinsam gesungen wurden. Bier und Zigaretten, deren Konsum den "Abiturienten" nun von ihren Lehrern nicht mehr verboten werden konnte, spielten dabei eine wichtige Rolle als Symbole des Erwachsenseins - eine Tatsache, die nachdenklich stimmt, denn trotz aller gesellschaftlichen Veränderungen in der Zwischenzeit begegnet man bei Jugendlichen diesem antiquierten Verhaltensmuster auch heute.